Samstag, 21.07.2018:

Wir werden am 20.08.2018 mit unseren Einrädern in Oberstdorf starten und versuchen, auf dem E 5 Fernwanderweg in 6 Tagen die Strecke von ca. 140 km bis nach Meran zu absolvieren. Die Pfade führen über 5 Bergketten und 6 Täler. Zu überwinden sind jeweils rund 7.000 Höhenmeter bergauf und bergab.

AX67.jpg



Wir wollen durch diese Aktion zeigen, dass man viele Ziele erreichen kann, die auf den ersten Blick ganz weit weg erscheinen, aber doch greifbar werden, wenn man sich selbst vertraut, seinen inneren Schweinehund überwindet und sich aus seiner Komfortzone herausbewegt. So ist es auch mit der Typisierung als Stammzellenspender: Eigentlich ist es eine ganz einfache Sache: MUND AUF. STÄBCHEN REIN. SPENDER SEIN. Aber das geht nicht von alleine, man muss es eben selber auch tun! Diese Botschaft wollen wir anderen Menschen vermitteln, und ich würde mich sehr freuen, wenn auch Sie unsere Idee unterstützen möchten.

Helfen könnt Ihr der DKMS, wenn Ihr Euch als Stammzellenspender typisieren lasst, und/ oder die DKMS finanziell unterstützt.

DKMS Spendenkonto: IBAN: DE64641500200000255556 BIC: SOLADES1TUB

Über finanzielle Unterstützung der DKMS auf das Spendenkonto der DKMS mit dem Verwendungszweck „Alpencross“ würden wir uns sehr freuen!

Viele interessante Infos gibt es auf www.dkms.de

Facebook-Titel.jpg

Montag, 27.08.2018:

Am Sonntag, den 19.08.18 machten wir uns auf den Weg in Richtung Oberstdorf, um uns mit Gerti und Jürgen und unserem Fotografen Eric zu treffen. Auf einem Wohnmobilstellplatz vor Oberstdorf haben wir dann die erste Tagestour besprochen, die neuen Trikots von JAKO anprobiert und zusammen zu Abend gegessen. Die Aufregung stieg langsam.

AX14.JPG

Die erste Etappe am Montag, 20.08. sollte uns hoch zur Kemptner Hütte (1844 m) bringen und dann über das Mädelejoch (1974 m) wieder hinab nach Holzgau ins Lechtal. Gerti, Jule und ich machten uns dann mit den Einrädern auf den Weg, während Mareike und Jürgen dann mit den Wohnmobilen nach Holzgau zum vereinbarten Treffpunkt gefahren sind.

AX01.JPG

Der Beginn der Tour auf leicht ansteigenden Wegen, immer den Allgäuer Hauptkamm im Blick, war noch relativ angenehm. Hier hat uns noch Eric mit seiner Kamera begleitet. Oberhalb der Materialseilbahn der Kemptner Hütte wurde es aber zunehmend steiler und richtig felsig, so dass an Fahren nicht mehr zu denken war. AX02.JPG AX03.JPG

Wir mussten also die Einräder schieben und auf den Steilpassagen dann tragen. Das war heftig! Dass dieser Weg nicht so einfach zu gehen war, davon zeugen auch einige Gedenktafeln für abgestürzte Wanderer, unter anderem war dort ein 5-jähriges Kind zu Tode gekommen. Auf der Strecke waren an diesem Tag wirklich sehr viele Wanderer unterwegs, die uns natürlich fragten, warum wir drei mit Einrädern auf solch einem Weg unterwegs waren. So hatten wir einige gute Gespräche über die wichtige Arbeit der DKMS. Der positive Zuspruch motivierte uns, und diese Motivation konnten wir auf diesem sehr unwegsamen Anstieg auch gut gebrauchen.

AX04.JPG AX05.JPG

Endlich kam dann die Kemptner Hütte in Sicht. Oben angekommen, kam mir dann mein Cousin Manfred entgegen und begrüßte mich. Was für ein unglaublicher Zufall!

AX06.JPG

Nach einer kurzen Pause ging es weiter auf den Einrädern in Richtung Mädelejoch. Hier überquerten wir die Grenze nach Österreich.

AX11.jpg AX07.jpg AX12.jpg

Der Abstieg war glücklicherweise nicht so heftig wie der Aufstieg. AX09.JPG

Einsetzender Regen machte die Sache aber nicht angenehmer. Gerti, Jule und ich waren dann wirklich froh, als wir nach der Roßgumpenalp auf Jürgen, Mareike und Eric getroffen sind, die uns bereits erwarteten.

AX10.JPG

Die Nacht standen wir mit den Wohnmobilen dann direkt am Lech, leider beendete ein erneuter Regenschauer unseren gemütlichen Abend.

Für den zweiten Tag haben wir uns dann eine sehr lange Variante vorgenommen. Wir wollten hoch zur Memminger Hütte, dort aber nicht übernachten, wie es viele der Wanderer machen, sondern direkt wieder runter ins Inntal nach Zams. Für den Aufstieg gab es für uns die Möglichkeit, die Räder mit der Materialseilbahn hoch zur Hütte bringen zu lassen. Jürgen und ich haben uns kurzfristig entschlossen, die Tour einfach zu Fuß durchzuführen, da am Nachmittag bereits wieder viel Regen vorausgesagt war. Viele E 5-Wanderer lassen sich mit Kleinbussen hoch bis Madau oder sogar direkt zur Materialseilbahn fahren. Jürgen und ich sind aber direkt im Tal unten vom Parkplatz in Bach gestartet. Wie sehr uns diese 2 zusätzlichen Stunden uns am Abend fehlen sollten, war uns an diesem Morgen aber noch nicht klar. Sonne begleitete uns immer weiter hinauf im Parseiertal. Immer wieder machten wir kurze Pausen, um die unglaubliche Aussicht zu genießen.

AX20.JPG

Heute waren schon deutlich weniger Wanderer auf der Strecke. Dafür begegneten Jürgen und ich mehr tierischen Alpenbewohnern. Immer wieder sahen und hörten wir Murmeltiere. Als die Memminger Hütte bereits in Sicht ist, waren direkt am Wegrand mehrere Murmeltiere damit beschäftigt, das leckere Berggras zu fressen. Sie ließen sich gar nicht von uns ablenken und wir konnten ihnen eine Weile zuschauen.

AX21.jpg AX71.jpg

Die Memminger Hütte liegt wirklich sehr beeindruckend in einem Kessel. Jürgen und ich waren kaum dort angekommen, um eine kurze Rast zu machen, da kam auch schon wieder unser treuer Begleiter, der Regen. Also gleich weiter Richtung Seescharte, dem Übergang ins Inntal. Der Aufstieg zur Seescharte überraschte uns immer wieder mit neuen Ausblicken. Mehrere leuchtend grüne Bergseen machten den Aufstieg über Geröllfelder doch gleich angenehmer für uns.

AX22.jpg AX26.JPG

Oben auf 2599 m angekommen, war der Ausblick phänomenal. Einerseits der Blick zurück zur Memminger Hütte, die wie ein Modellhaus malerisch inmitten der umliegenden Gipfel liegt.

AX23.jpg

Andererseits der Blick nach vorne ins Inntal, unserem heutigen Ziel. AX28.JPG

Kaum waren wir an der Seilsicherung über die Seescharte gestiegen, trafen wir auf mehrere Gämsen, die auf dem Geröllfeld nach Nahrung suchten. Sie ließen sich von uns nicht aus der Ruhe bringen.

AX66.jpg

Erst nach längerem Abstieg erreichten wir wieder die Baumgrenze. Unterhalb der Oberlochalm hatten wir dann wieder eine sehr interessante Begegnung. Unvermittelt stand ein Hochlandrind mit wirklich sehr langen Hörnern zunächst regungslos direkt auf unserem schmalen Pfad. Wir warteten dann ab, bis das Tier sich endlich in Bewegung setzte und konnten dann unseren Weg fortsetzen. Zunächst über nasse Wiesen, später in einem Flussbett, da der eigentliche Pfad von einem Geröllabgang zerstört wurde. Später ging es über grüne Wiesen und durch beeindruckende Wälder weiter hinab in Richtung Zams. Jetzt machte sich die Länge der Tour langsam bemerkbar. Ein in den Fels gesprengter Steig brachte uns dann immer näher ans Ziel. Allerdings brach die Dämmerung herein und es regnete immer weiter. Das letzte Teilstück bestand aus nie enden wollenden, engen Serpentinen steil hinab nach Zams. Diesen Abstieg konnten wir nur mithilfe einer Lampe sicher bewältigen. Nach über 12 Stunden hatten wir es dann tatsächlich geschafft. Auf dem Campingplatz im Tal haben wir dann erfahren, welches Abenteuer Mareike, Gerti und Jule mit den Wohnmobilen erlebt hatten. Eigentlich war von Holzgau nach Zams ein größerer Umweg über Bundesstraßen geplant. Jürgen hatte aber noch eine kürzere Strecke gefunden. Diese führte über das Hahntennjoch (1894 m). AX24.JPG

Diese doch sehr hohe Passstraße hat eine Länge von 29 km und eine maximale Steigung von 15%. Erst im Nachhinein haben wir erfahren, dass dieser Pass eigentlich für Wohnmobile nicht geeignet ist. Entsprechend war dann auch die Fahrt! Sehr enge Straßen, auf die Fahrbahn ragende Felsen und teils fehlende, teils nur hölzerne Leitplanken machten diese Fahrt zu einem sehr heftigen Erlebnis. AX25.JPG

Der dritte Tag sollte dann wieder etwas weniger anstrengend werden. Die Etappe von Zams führt über den Venetberg (2512 m) nach Wenns ins Pitztal. Da auch die Bergschulen für diese Tour die Venetbahn nutzen, hatten wir das auch so geplant.

AX30.jpg

Es begleiteten mich Gerti und Jule mit den Einrädern, Mareike und Django und auch Eric mit seiner Kamera fuhren mit uns hoch auf den Venet und begleiteten uns ein kurzes Stück auf dem Weg, um dann wieder mit der Bahn nach unten zu fahren und mit den Womos nach Wenns zu fahren, um uns dann wieder zu treffen. Bei sonnigem Wetter starteten wir den Tag. Die Trails waren wirklich super zu fahren und wir kamen recht schnell voran.

AX32.JPG AX33.JPG AX34.jpg AX35.jpg AX36.jpg

Es waren viele Wanderer unterwegs, die an unseren Trikots erkannten, dass wir einen besonderen Grund hatten, hier mit den Einrädern unterwegs zu sein. Wir bekamen viel Zuspruch und staunende Blicke. Zwischen der ersten und der zweiten Alm ging es aber nochmals recht steil bergauf, so dass wir die Räder mal wieder tragen mussten. Das letzte Stück vor der zweiten Alm führte dann über sehr moorige Wiesen. Aus diesem Grund wurde für die Wanderer ein Holzsteg errichtet, der super für uns zu fahren war. Natürlich durfte auch der Regen an diesem Tag nicht fehlen. Wir konnten gerade so noch die Larcher Alm erreichen, bevor es richtig schüttete. Hier haben wir erstmal einen leckeren Kaffee getrunken und dann gewartet, bis der Regen wieder nachlässt. Das hat allerdings länger gedauert. In unser Zelt, in dem wir saßen, verirrten sich auch zwei Hängebauchschweine, die nichts anderes zu tun hatten, als sich an den Reifen unserer Räder zu schaffen zu machen. Sie zerrten die Einräder sogar richtig hin und her und schleckten die Reifen ab. AX37.jpg

Irgendwann ließ dann der Regen nach und wir machten uns durch den Wald auf den Weg ins Tal, wo uns die anderen wieder mit den Womos erwarteten. Am Abend auf dem Womo-Stellplatz haben wir dann wieder alle zusammen sehr lecker gegessen und uns über die Tour, die bisherigen Erlebnisse, das Wetter und die Strecke des kommenden Tages unterhalten.

AX38.JPG AX39.JPG

Tag vier sollte uns dann vom Pitztal bzw. dem Rettenbachgletscher zum Bergsteigerdorf Vent bringen.

AX40.JPG AX41.JPG

Morgens schien wieder die Sonne, aber die Wetteraussichten waren nicht besonders gut. Gerti und ich machten uns an diesem Tag mit den Einrädern auf den Weg, Eric begleitete uns ein kurzes Stück, um uns dann zusammen mit den anderen Im Venter Tal wieder zu treffen.

AX42.JPG AX68.jpg

Nach einem kurzen steilen Stück ging es dann zwar weniger steil weiter, allerdings waren einige Geröllfelder zu queren. Das ging leider nur zu Fuß.

AX49.JPG

Am Weißkarsee (2656 m) machten wir eine kurze Rast, um uns zu stärken und die wirklich sehr beeindruckende Landschaft zu genießen, dann ging es auch schon weiter auf dem Pfad.

AX43.JPG AX44.JPG AX69.jpg

An diesem Tag haben wir nur vereinzelt Wanderer getroffen. So ging es ohne große Unterbrechungen weiter für Gerti und mich. Das war auch gut so, denn das Wetter wurde zunehmend schlechter. Die Wolken wurden immer mächtiger und Nieselregen setzte ein. Eine ungewöhnliche Begegnung hatten wir dann doch noch. Wir hörten bereits Glocken, noch bevor wir sahen, wem diese gehörten. Ein einer Biegung standen dann sie dann direkt auf unserem Pfad, 3 Schafe blockierten den Weg. Es war dort sehr steil, deshalb hatten wir keine Möglichkeit, auszuweichen. Wir mussten also erst einmal Lärm machen, um die Schafe in Richtung Vent in Bewegung zu setzen.

AX45.JPG AX46.JPG

Wir konnten das Dorf hinten im Tal schon sehen, aber der Weg war dennoch sehr weit. Der Weg führte uns dann eine ganze Weile durch einen matschigen Bach talabwärts, bis wir dann einen Schotterweg bis ins Tal erreichten. Mareike, Jule, Jürgen und Eric erwarteten uns bereits im Tal und freuten sich über unsere Ankunft.

AX47.jpg AX48.jpg

Natürlich regnete es am Abend wieder stärker und die Wettervorhersage meldete für den uns betreffenden Großraum deutlich fallende Temperaturen und weiterhin Niederschläge. Was das für unsere weitere Tour bedeutete, war uns klar. Es bestand die Gefahr, dass wir am nächsten Tag auf über 2500 m aufsteigen und dort in Neuschnee geraten könnten. Möglicherweise wäre ein Abstieg über die Grenze nach Südtirol nicht möglich und wir würden vielleicht oben festsitzen. Diese Risiken wollten wir dann doch nicht eingehen. Wir haben dann die verschiedenen Optionen durchgesprochen und uns dafür entschieden, diese Etappe nicht anzugehen. Stattdessen machten wir uns mit den Womos über den Reschenpass auf den Weg nach Südtirol. Hier hatten wir dann mindestens einen Tag Vorsprung vor der Schlechtwetterfront und wir wollten dann die Etappe bis nach Meran fahren. So befanden wir uns am Tag fünf bereits in Südtirol im Vinschgau. Die Sonne strahlte, als wir eine kurze Pause eingelegt haben, um den im Reschensee versunkenen Kirchturm zu bestaunen.

AX52.JPG AX53.JPG

Auf der heutigen Tour begleiteten mich wieder Gerti und Jule.

AX54.jpg AX55.jpg

Vom Giggelberg (1565 m) her kommend war unser Ziel heute Meran. Da wir deutlich niedriger als noch gestern unterwegs waren, waren die Temperaturen recht angenehm. Die Wege waren sehr schön zu fahren. Es ging durch Wälder, aber auch durch Apfelplantagen und Weinreben.

AX56.JPG AX57.JPG AX58.JPG AX59.JPG AX60.JPG

Es waren viele Wanderer unterwegs und so konnten wir an diesem Tage wieder viele Menschen über den Kampf gegen den Blutkrebs informieren und über die Wichtigkeit, sich typisieren zu lassen. Gegen Ende unserer Reise fuhren wir über eine schöne Hängebrücke über eine kleine Schlucht.

AX61.JPG

Die letzten 6 km führten uns dann über den Tappeiner Weg direkt ins Zentrum nach Meran. Dort staunten einige Leute nicht schlecht, als wir durch die Fußgängerzone fuhren. Auch hier sprachen uns einige Passanten an um mehr über die Aktion zu erfahren. Wir gönnten uns dann noch ein leckeres Eis.

AX62.JPG AX63.jpg

Bis dann aber Eric mit seiner Kamera die letzten Einstellungen im Kasten hatte, setzte auch hier strömender Regen ein und wir kamen einmal mehr pitschenass auf dem Womo-Stellplatz oberhalb von Meran an. Glücklicherweise war noch ausreichend Wasser für eine heiße Dusche vorhanden. Gerti, Jürgen und Mareike stürzten sich aber vorher noch todesmutig in den unbeheizten Pool des Platzes. Das war mir selber dann doch zu viel. Am Abend haben wir dann wieder lecker zusammen gekocht und gegessen, leider mussten wir wegen dem Regen unter den Womo-Markisen sitzen. Den abschließenden Abend hatten wir uns etwas gemütlicher vorgestellt. Am nächsten Morgen war dann Packen angesagt, bis 12 Uhr wollten wir vom Platz sein. Bei der morgendlichen Runde mit Django, unserem Hund, haben wir dann sehr erstaunt festgestellt, dass die höheren Gipfel rundherum alle weiß bedeckt waren. Es hatte also auch hier rund um Meran nachts über 2000-2500 m Höhe geschneit. Da waren wir wirklich sehr froh, dass wir unsere Alpentour tags zuvor noch zu Ende bringen konnten.

AX64.JPG AX65.JPG

Wir haben leider nicht alle geplanten Etappen bewältigt, das holen wir aber noch nach, vielleicht schon im kommenden Jahr. Insgesamt war es eine tolle Woche. Sehr anstrengend, aber auch mit vielen einmaligen, unbezahlbaren Momenten. Wir mussten täglich viele unterschiedliche Probleme bewältigen, Entscheidungen treffen und uns gegenseitig unterstützen. Wir sind alle stolz, das so geschafft zu haben. Wir sind sicher nicht die besten oder schnellsten Einradfahrer. Wir haben für uns das geleistet, was für jeden Einzelnen von uns möglich war, und das war im Nachhinein mehr als anfangs erwartet. So sollte doch jeder seine Möglichkeiten ausschöpfen und u.a. auch andere Menschen, die Hilfe benötigen, unterstützen.

Und so kehrten die Hermanns wieder glücklich, zufrieden und unversehrt aus den Alpen heim in ihr kleines, beschauliches Dorf in Hohenlohe…

Festmahl.png