Schon längere Zeit hatte ich mich diese Tour gereizt. Nicht, um irgendwelche Rekorde aufzustellen. Die Herausforderung für mich war, die Strecke in einem für mich machbaren Rahmen zu bewältigen, und dabei aber auch die Zeit zu haben, diese unglaubliche Bergwelt zu genießen. Ich wollte schon möglichst viel fahren, aber die Sicherheit stand klar im Fordergrund, auch, weil ich alleine unterwegs sein würde. Auf den ersten 300 hm vom Gipfel der Zugspitze wäre ich wohl deutlich mehr geklettert als gefahren. Deshalb habe ich als Startpunkt für die Tour das auf 2600 Meter hoch gelegene Zugspitzplatt ausgewählt.

Nach vielen Tagen mit Nebel und Regen war jetzt endlich für einige Tage gutes Wetter vorhergesagt. Mareike, unser Hund Django und ich machten uns morgens auf den Weg ins 300 km entfernte Zugspitzgebiet. Am Eibsee war dann der eigentliche Ausgangspunkt für dieses Abenteuer.

ZS006.JPG

Wir entschieden uns, mit der Zahnradbahn hochzufahren. Es war dort weniger überfüllt als in der Gondel und keiner hat sich an meinem etwas ungewöhnlichen Gepäck gestört. Natürlich hatte ich mein Einrad entsprechend unauffällig verpackt.

ZS017.jpg

ZS018.jpg

Oben angekommen, waren wir erst einmal überwältigt von dem gigantischen Panorama, das sich bei dem tollen Wetter bot. Django war allerdings sichtlich irritiert. Keine Bäume, nicht mal ein Grashalm.

ZS007.JPG

ZS012.JPG

ZS015.JPG

ZS016.jpg

Zuerst musste ich mein Einrad auspacken. Sattel hoch, Pedale ran, Luft rein, dann konnte es eigentlich schon losgehen.

ZS021.JPG

ZS037.JPG

ZS047.JPG

Mareike und Django begleiteten mich ein Stück weit. Dann kehrten sie um und fuhren mit der Bahn wieder runter. Zuerst zum Eibsee, später dann mit dem Auto nach Garmisch, wo wir uns an der großen Schanze wieder treffen wollten.

Ein etwas mulmiges Gefühl überkam mich, als ich alleine weiterfuhr. Ich war vorher noch nie auf der Zugspitze. Würde alles so klappen, wie geplant? Die erste Etappe in Richtung Knorrhütte, die auf gut 2000 m liegt, bestand aus meist gut befahrbaren Geröllwegen.

ZS051.JPG

ZS053.JPG

ZS055.jpg

Ich begegnete immer wieder Wanderern, die mich entgeistert anschauten. Die Kommentare waren aber allesamt positiv. Einige haben höflich um ein Foto gebeten, eine Gruppe Amis fand das „very impressive“, „awesome“ oder auch „scary“. An der Knorrhütte machte ich nach eineinhalb Stunden die erste Rast. Die Aussicht war einfach herrlich!

ZS071.jpg

ZS072.jpg

Die nächsten geschätzten 500 hm ging es richtig steil bergab durch Felsen und Geröll. An Fahren war für mich da nicht zu denken. Also schulterte ich das Einrad und kämpfte mich langsam bergab Richtung Reintal. Die umgebenden Felsformationen waren einfach unglaublich schön.

ZS094.JPG

ZS096.JPG

ZS098.JPG

Trotzdem war ich froh, als ich diesen Teil geschafft hatte und mich an einem kleinen, glasklaren Rinnsal erfrischen und kurz ausruhen konnte.

ZS128.jpg

ZS130.jpg

Die Reintalangerhütte war bereits in Sichtweite, aber doch noch ein ganzes Stück entfernt. Jetzt gings wieder mit dem Fahren. An der Reintalangerhütte angekommen, habe ich mir beim Hüttenwirt erstmal eine Brotzeit bestellt. Er konnte es gar nicht glauben, dass ich „von oben“ komme. Auch hier wieder auf sehr nette Wanderer getroffen. Das Flair dieser Hütte ist wirklich besonders. Sie liegt direkt auf 1367 m direkt an der Partnach. Stühle und Tische stehen teilweise quasi im Flussbett. Über den Fluss sind Leinen mit bunten Wimpeln gespannt, das hatte irgendwie was von einem Basislager in Tibet.

ZS131.JPG

ZS132.JPG

Frisch gestärkt und motiviert fuhr ich an der Partnach entlang. Links und rechts türmten sich imposante Felsformationen auf. Wasserfälle, abgegangene Felsbrocken, umgestürzte Bäume. Nichts störte diese eindrucksvolle Aussicht. Natur pur. Es waren allerdings noch viele Kilometer bis nach Garmisch, meinem Ziel. Die Wege waren oft mit Wurzeln, Steinen und losem Geröll gespickt und es war ein ständiges Auf und Ab durch die Wälder entlang der immer wilder werdenden Partnach.

ZS133.jpg

Jetzt machte sich bemerkbar, dass die Tour doch schon richtig viel Kraft gekostet hatte. Meine Oberschenkel meldeten die ersten Krämpfe, jetzt musste ich erstmal etwas gemächlicher weiterfahren und ein paar kurze Pausen einlegen. Zu allem Überfluss bin ich dann auch noch durch die Sperrung eines Waldweges falsch abgebogen und fuhr einen unfreiwilligen Umweg. Zwei nette Mountainbiker und ein hilfsbereiter Waldarbeiter haben mir dann aber wieder auf den richtigen Weg geholfen.

ZS134.jpg

Die Partnachklamm erreichte ich zusammen mit einer Gruppe von vier Wanderern. Es war schon imposant zu sehen, wie sich das tosende Wasser den Weg zwischen den Felswänden sucht. Trotzdem habe ich mich nicht sehr lange dort aufhalten. Ich wollte unbedingt vor Einbruch der Dämmerung noch Garmisch erreichen. Dies gelang, da es nach der Klamm nur noch ein kurzes Stück zu fahren war. Nach 7 Stunden, an die 2000 hm und über 20 km Strecke hatte ich also Garmisch-Partenkirchen erreicht. Mareike und Django warteten dort schon auf mich. Mein Rad und den Rucksack verstaute ich im Auto, dann schauten wir uns zusammen noch die imposante Olympia-Skisprungschanze an, bevor wir uns auf dem Heimweg machten.

ZS174.JPG

ZS177.JPG

ZS170.JPG

Alles in Allem war es ein ebenso herausforderndes wie unvergessliches Erlebnis für mich, durch dieses irgendwie unwirkliche, aber gleichzeitig unheimlich schöne Terrain zu fahren. Dieser Tag hat trotz eines fiesen Muskelkaters die Lust auf weitere ausgiebige Touren geweckt, an anderen schönen Plätzen. Vielleicht auch nochmals auf der Zugspitze, dann aber vielleicht doch von ganz oben?